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  1. Wir trauern um Fritz Kindervater

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    Wir trauern um Fritz Kindervater

    Unser verdienter Ausbildungslokführer wird fehlen

    • Unser ehemaliger 2. Vorsitzender Fritz Kindervater ist am 27. August verstorben.

      Ein Nachruf

      Fritz kam, obwohl ein waschechter Lipper, erst relativ spät zum Verein Landeseisenbahn Lippe. Nach einer Ausbildung zum Heizungsbauer und Rohrleitungsschweißer führte ihn der Weg zur Bundesbahn, in den Betriebsdienst als Lokschlosser, Heizer und später Dampflokführer. Seine jungen Jahre verbrachte er in Ottbergen auf der schweren Güterzuglok der Baureihe 44, und wie die Einsatzpläne damals waren kam er vom Dorfe kommend weit umher in Niedersachsen und Westfalen.

      Noch Ende der 1960er Jahre ließ er sich aus familiären Gründen versetzen – nach Haltingen, in den Südschwarzwald. Ausbildung auf modernen Diesel- oder Elloks hatte er noch nicht, aber die Dampflok durfte er fahren. Und kam so von der 44 auf den Führerstand der letzten alten Preußen, der G10-Dampflok Baureihe 57, die damals grenzüberschreitend nach Waldshut in die Schweiz eingesetzt waren.

      Ein paar Jahre später, als Haltingen die Dampfer abgestellt und Fritz längst auf Elloks die Rheinstrecke zwischen Basel und Karlsruhe befuhr, war er ein Aktiver der ersten Stunde in der „Eurovapor“-Sektion in Fützen an der Sauschwänzle-Strecke, und half mit bei Wiederinbetriebnahme von anfangs einer, später bis zu drei aus Österreich stammenden Tenderloks der Baureihe 378, in Deutschland als 93 bekannt. Und natürlich schraubte er nicht bloß, er fuhr die Maschinen. Auch, als er Anfang der 1980er Jahren dem Heimweh der Familie folgte und nach Bielefeld ins Ostwestfälische zurückzog, blieb die Vereinsaktivität noch lange Zeit an Wochenenden erhalten.

    • Alsbald stand er 1994 erstmals im Extertal, wo es auch eine 93 gab, die ihm so vertraut geworden war. Und fügte sich sogleich ein in die vermeidliche Reihe, ohne jeden Vorbehalt, sagte die Dienste zu, wenn keiner der Altvorderen konnte, kümmerte sich geradezu liebevoll, aber stets mit Sachverstand den vielen kleinen Dingen an der Dampflok, die Aufmerksamkeit verlangten, und war dabei geradezu selbstverständlich kameradschaftlich, sein Wissen zu teilen und ohne jeden erhobenen Zeigefinger an die übrigen Aktiven weiterzugeben. Und so nahm er auch wie selbstverständlich zwischen 1996 und 2004 das Amt des 2. Vorsitzenden wahr, stets mit Blick auf die Dampflok, aber ganz besonders mit offenem Ohr für Emotionen innerhalb der Aktivenrunde, wo sein Wort galt und mahnte, Respekt und Freundschaft nie zu vergessen.

      Die Zwangsabstellung der 93.1410 beim fälligen Kessel-TüV 1999 nagte an ihm, vor allem aber das es damals nicht gelang, das notwendige Kapital trotz allem Sparbuchguthaben zusammen zu bekommen, die erneute Aufarbeitung zu schaffen. Als die Diskussion aufkam, mit der „Emil Mayrisch N.3“ eine andere Lok zu kaufen, mahnte er sogar mehrfach warnend an, den zu erwartenden Mehrverbrauch an Kohle und Wasser nie zu unterschätzen. Dass er die 93er bevorzugte, hat er nie verhehlt – aber auch nie gegrollt, als der Verein anderes entschied. Fritz fuhr mit nach Sinsheim, die neue „Probe“ zu fahren, fuhr auch mit, sie später auf dem Tieflader abzuholen. Dass er in Sinsheim einen alten Vorgesetzten aus Bundesbahnzeiten wieder traf, der nunmehr für die Landeseisenbahnaufsicht beim EBA in Karlsruhe tätig war – für Fritz sofort mit einer Anekdote verbunden, die er zu erzählen wusste.

    • „Emil“ dann bei uns ins Rollen zu bringen, bis er endlich so rund lief wie Fritz es wollte, dauerte denn auch bis 2004. Dass 2005 unsere 93er an den Bahnpark ins ferne Augsburg verliehen wurde sah er nicht gern, sah aber die dortige geschützte Unterstellung, und trug auch diese Entscheidung mit. Nicht mittragen mochte er die höfliche, aber bestimmte Aufforderung des neuen Betriebsleiter der Extertalbahn, ihn an seine „Altersgrenze“ zu erinnern und die Rückgabe seines Lokführerscheines zum Saisonende 2005 einzufordern. Es war eine der klügeren Entscheidungen des Schreibers dieser Zeilen, diesen Führerschein an sich zu nehmen, jedoch keineswegs zu vernichten oder an höherer Stelle abzuliefern.

      Was im Nachgang von dieser Anekdote blieb, war das jähe Ende der Tätigkeit dieses neuen Betriebsleiters, und der sofortige Wunsch des Aktivenkreises, den „Fritz“ noch einmal zu bitten. Noch einmal zwei Jahre dranzuhängen. Um einen Nachfolger als Lokführer auszubilden. Und wenigstens einen neuen Heizer.

      Überlegt hat er nicht lange. Und dennoch Bedenkzeit erbeten, um „die Ulla“ noch zu fragen. Es wurden auch nicht zwei, sondern sechs Jahre, in denen Fritz nochmal fuhr, am Anfang oft, dann weniger.  Er hat aber auch nicht bloß einen Nachfolger herangeführt. Drei Dampflokführer bekamen ihr Patent, dazu drei Heizer. Als dann jedoch der TüV auch den „Emil“ erwischte, da war auch für Fritz Feierabend. Da hat er seinen Führerschein abgeben wollen.

    • Im Zuge der Diskussion, wie es um die Dampflok weitergehen sollte, kam dann erneut die verliehene 93er in die Diskussion.  Und auch von der Seitenlinie, im Podium der Mitgliederversammlung, warb Fritz für diese Lok als lohnendes Ziel der Mühen. Fuhr 2013 noch zusammen mit Manfred Schmidt nach Augsburg, die Lok aus eigenen Augen zu sehen und zu befunden – was ist an Teilen noch da, was evtl verloren gegangen. Kramte akribisch in alten Unterlagen und Aufschreibungen, was „damals“ an der Lok funktionierte und wo sich noch Dinge befanden, die einmal „ordentlich gemacht“ werden müssten. Stand 2014 spätabends in Lage auf dem Bahnsteig, Lok und vor allem die Begleitmannschaft nach der Überführung herzlich zu begrüßen – und sofort die Frage, wie „sie“ denn gelaufen sei?

      Als der Kessel zur Sanierung herabgenommen wurde kam er natürlich zum Zusehen. Von der Druckprobe des fertigen Kessels ließ er sich sofort berichten. Dass sein letzter Wunsch, auf ihrem Führerstand noch einmal nach Detmold mitzufahren nicht mehr geklappt hat, wiegt schwer. Schwerer aber ist sein Verlust.

      Fritz war, bei allem, was einen Verein so prägt, im Wirken in Freude und Streit, in guten wie auch in nicht so schönen Tagen stets derjenige, auf den sich alle einigen konnten: Er war da, er hörte zu, fand ganz oft die richtigen Worte und erinnerte uns immer rechtzeitig daran, Respekt und Kameradschaft nie zu vergessen. Er wird uns fehlen. Wir finden Trost in seinem Wunsch, nicht zu trauern, sondern an ihn zu erinnern, als wäre er noch zwischen uns. Ein Vorbild, in jeder Hinsicht.

       

       

      Fritz wurde 87 Jahre alt.
      Wir sind mit den Gedanken bei seiner Ulla und Familie.
      Er wird uns fehlen.